Die Abläufe sind organisiert, die Technik hat man im Griff, der Marktauftritt steht. Was lässt sich noch verbessern? Beim „Faktor Mensch" gibt es immer wieder Optimierungsmöglichkeiten. Wer sich und seine Mitarbeiter bewusst führt, stärkt das Unternehmen ganzheitlich.
Die Situation ist aus dem Leben gegriffen: „Die Monteure haben rasch und gut gearbeitet, es sind keine Fehler passiert, der Kunde wäre an sich zufrieden. Aber: Die Montageequipe hat nicht geputzt, obwohl das eigentlich klar war. Das Ergebnis sind Mehrkosten, die dem Betrieb verrechnet werden." – Anhand dieses Beispiels skizziert Erwin Blöchlinger, europaweit aktiver Unternehmensberater und Dozent auf dem Bürgenstock, wie ein kleines Kommunikations- und Führungsdefizit handfeste finanzielle Folgen haben kann. Das Seminar „Professionelles Führen" aus der VSSM-Individualschulung des Bürgenstocks stellt nicht auf psychologische Theorien ab. Vielmehr zeigt es konkret auf, wie man die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen durch gute Führung erkennt und zum Nutzen des Betriebs berücksichtigt.

Zusammenarbeit: Vorgesetzte und Mitarbeiter müssen sich gut kennen.
Führen heisst Sicherheit erzeugen
„Gerade in KMU ist es wichtig, als Führungsperson gewisse Regeln zu definieren und deren Einhaltung konsequent einzufordern. Das ist die Basis, um individuell zu führen." Gibt es denn charakteristische Merkmale der Führungsarbeit in KMU? Erwin Blöchlinger nennt dazu spontan die Übersicht und die direkten Einflussmöglichkeiten auf das betriebliche Geschehen: „In der Schreinerei können – und müssen – Sie als Chef ganz genau wissen, was wann wo und warum passiert. Sie kennen die Stärken und Schwächen Ihrer Leute und können deren Arbeitsalltag individuell und kontinuierlich darauf abstimmen. Diese besondere Führungssituation bietet jede Menge Chancen, die es richtig zu nutzen gilt." Sorge macht Blöchlinger die in den KMU nach wie vor verbreitete Orientierung am Werkstück: „Meistens hapert es bei der Nutzung der menschlichen Potenziale. Gute Führung definiert Spielräume und erzeugt Sicherheit, damit sich der Mensch entfalten kann."
Echt sein
Nach dem besten Führungsstil für KMU befragt, winkt Blöchlinger ab: „Gute Führungspersonen brauchen wenig Theorien. Sie sind authentisch und haben damit einen Führungsstil – nämlich ihren eigenen." Um Reibereien zu vermeiden, müssen die Mitarbeitenden ihre Vorgesetzten und die Vorgesetzten ihre Mitarbeiter sehr gut kennen. „Wenn der Mitarbeiter vom Chef und der Chef vom Mitarbeiter einmal wissen, was die grundsätzlichen Erwartungen sind, dann kann eine ausgezeichnete Zusammenarbeit angegangen werden." Heisst Führen nur Fördern? „Nein, Führen heisst auch Begeistern, Anerkennen, Korrigieren und damit Fordern. Wenn im genannten Beispiel dieselbe Montageequipe immer wieder Kundenreklamationen verursacht, muss das grundsätzlich angegangen werden. Wir erarbeiten im Kurs die besten Möglichkeiten dazu."
Aus der Praxis – für die Praxis
Führungs- und Kommunikationssituationen, wie sie im Betrieb, aber auch im Umgang mit Kunden oder in der Zusammenarbeit mit der Bauleitung zum Alltag gehören, werden konkret trainiert: „In Rollenspielen und Analysen gehen wir von einer aktuellen Standortbestimmung, einer Zielsetzung und der Wegdefinition dorthin aus. Dabei geht es auch um Lob, das – richtig eingesetzt – eine unschätzbare Motivationskraft besitzt." Zum Einstieg bringt jeder Teilnehmende eine individuelle, klar umschriebene Zielsetzung mit in den Kurs. Daran arbeitet man während der Kurstage und auch während der Wochen, die zwischen den einzelnen Blöcken liegen. „In jeder Folgesequenz analysieren wir die praktischen Umsetzungserfahrungen in der Gruppe. Im Seminarverlauf steigt dann die Sensibilität für Führungsarbeit, die Teilnehmenden bringen neue Beispiele mit, die konkret geübt werden. Davon profitieren alle!" – Aus Sicht Blöchlingers geht es bei der Führungsausbildung primär darum, an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten: „Dies, weil wir nicht die Mitmenschen, sondern nur uns selbst ändern können. Mit einem bewusst klaren, authentischen Auftreten – also mit der Führung der eigenen Person – ist in Sachen Menschenführung viel gewonnen. Damit stärken wir den Betrieb von innen heraus."
Erwin Blöchlinger, Referent Höhere Fachschule Bürgenstock:
- Gute Führungskräfte brauchen wenig Theorie!
- Lob ist ein ausgezeichneter Motivator.
- Erfolgreiche Führungskräfte führen primär sich selbst!



