Personalführung heisst das Zauberwort zum wirtschaftlichen Erfolg — auch für kleine Betriebe. Führungskräfte und Mitarbeiter können davon gemeinsam profitieren und so auch in Krisenzeiten wettbewerbsfähig bleiben.
Die Schreinerzeitung, Nummer 9, 4. März 2010
Im Betrieb herrscht dicke Luft. Jeder schafft stur vor sich hin. Ein Mitarbeiter ist sauer, weil er nie in die Planung mit einbezogen wird, sein Kollege dagegen geht nur widerwillig arbeiten, weil ihm schon vor dem nächsten Kundenbesuch graut. Mit den richtigen Mitarbeitern am falschen Ort schadet sich jeder Unternehmer selbst.

Die Natur liefert ein Vorbildfürdie Personalführung: Nur im Team ist das Ameisenvolk wirklich erfolgreich.
Das Problem erkennen
Herbert Näf hat das buchstäblich am eigenen Leib erfahren. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens für Service, Dienstleistungen und Maschinen mit Sitz in Herisau war selbst mit seinem Führungslatein am Ende. «Man kommt nicht mehr weiter, wenn die Mitarbeiter in einem Betrieb mehr gegen- als miteinander arbeiten.» Der Geschäftsführer hat sich deshalb in Sachen Personalführung weitergebildet. Inzwischen erachtet er das Thema als unverzichtbar für die Produktivität jedes Betriebes. Die zu Jahresbeginn veröffentlichte Studie «Top-Job»-Arbeitgeber vom Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen stützt diese Behauptung. Danach sind jene deutschen Arbeitgeber im Mittelstand, die in den Bereichen Mitarbeitermotivation und Personalentwicklung investieren, auch in der gegenwärtigen Krise wirtschaftlich erfolgreicher als ihre Kollegen. Darunter waren auch Betriebe ab 20 Mitarbeitern. Ihr Erfolg könnte ein Motor für Handwerksbetriebe sein, zukünftig in Personalführung zu investieren. Denn dort ist die Hemmschwelle bisher noch gross, weiss Näf von seinem Kundenkreis. «Das Thema wird in vielen Schreinereien als nicht notwendig erachtet oder gar nicht erkannt», sagt der Unternehmer aus Erfahrung. So ist Mitarbeiterfrust infolge falscher personeller Besetzung ein häufiges Thema. «Wenn ein Schreiner den Kundenkontakt scheut, aber dafür eingesetzt wird, obwohl er als Handwerker in der Werkstatt eine gute Arbeit macht, dann ist das auf Dauer kontraproduktiv», so Näf. Personelle Fehlbesetzungen in Handwerksbetrieben böten Konfliktstoff und seien verschenktes Potenzial. «Jeder Mitarbeiter sollte idealerweise dort eingesetzt werden, wo er am besten ist.» Dann sei seine Motivation am grössten.
Knacknuss Mitarbeitermotivation
Auch Bruno Krucker, verantwortlich für Personalführungsseminare am Bürgenstock, der Höheren Fachschule für Schreiner, kennt die Thematik der Mitarbeitermotivation. «Zunehmender Zeit- und Leistungsdruck im Alltag des Schreiners sind die Hauptgründe, warum Mitarbeiterfragen grundsätzlich vernachlässigt werden.» Häufig kommt es auch zu Missverständnissen, weil das Thema nicht geläufig ist. «Zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter seinen Chef um die Teilnahme an einem Kurs zu Mitarbeitermotivation bittet. Dann denkt dieser vielleicht, er sei nicht genügend motiviert», so Krucker. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Vorgesetzte wie Mitarbeiter können zum Thema Motivation lernen. Der Seminarverantwortliche empfiehlt, das Thema Personalführung nicht erst anzugehen, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Doch das Thema ist komplex. Dazu gehören die personelle Besetzung und Mitarbeitermotivation. Auch Teamarbeit ist ein wichtiger Aspekt. Das heisst etwa, die Verhaltensweisen der einzelnen Mitarbeiter anzusprechen und so das Verständnis untereinander zu fördern.
Die Palette privater Bildungsanbieter im Bereich Personalführung ist gross. Es empfiehlt sich vorab, die Lerninhalte der jeweiligen Seminare am besten mit dem zuständigen Referenten abzuklären. Relevant könnten fürs Handwerk auch die Seminare des Schweizerischen Instituts für KMU an der Universität St.Gallen sein. Ebenso bietet die HF Bürgenstock wie andere VSSMS ektionen diesbezügliche Seminare an. «Die Wahl des Seminars sollte auf das jeweilige Arbeitsumfeld abgestimmt sein, denn in der Praxis lässt sich das Gelernte am besten umsetzen», so Krucker. Das gilt auch für jene, die meinen, schon alles zu wissen. Führungskräfte mit mehrjähriger Berufserfahrung neigen dazu. Doch gerade ihren Erfahrungsschatz könnten sie gezielter einsetzen. So kennt ein mehrjähriger Vorgesetzter die persönlichen Stärken und Schwächen seiner Mitarbeiter besser und kann dort gezielt ansetzen und zum Beispiel den Mitarbeiter auffordern, seine Ideen einzubringen. Jeder Mitarbeiter sollte ausserdem regelmässig die Chance erhalten, seine beruflichen Wünsche zu formulieren. «Mein Mitarbeiter blühte förmlich auf, als ich ihn nach seinen Vorschlägen fragte», so die Rückmeldung eines Seminarteilnehmers an der HF Bürgenstock.
Gemeinsame Zielvorgabe
Damit Mitarbeiterinteressen mit Firmenzielen in Einklang gebracht werden können, braucht es für beide Seiten ein umfassendes Bild der Unternehmensziele. Geschäftsführer Näf schätzt, dass 80% der kleinen und mittleren Betriebe keine Unternehmensstrategie haben. «Erst wenn der Bankschreiner wie auch der Fensterbauer wissen, welches Rädchen sie im Getriebe sind, dann läuft der Laden», hat Näf erfahren. Der Geschäftsführer muss sich also erst mal darüber klar werden, was er erreichen will, welche Massnahmen es dafür braucht und wie viele Mitarbeiter mit welchen Qualifikationen er dafür einsetzen muss. Das sind in groben Zügen die wesentlichen Bestandteile der Unternehmensstrategie, zu der auch die Personalplanung gehört.
Am Ball bleiben
Aber so mancher Unternehmer verdrängt das Thema Personalführung wegen Kosten-und Zeitaufwand. «Doch für kleine Unternehmen ist es oft viel leichter, gewisse Konzepte umzusetzen, weil dazu nicht ein riesiger Apparat in Bewegung gesetzt werden muss», meint Anja Mücke, Projektleiterin des Swiss Human Resource Award. Bereits zum zehnten Mal wird der Preis für die besten schweizerischen Arbeitgeber im Personalwesen in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz vergeben. Die Hälfte der Teilnehmer sind KMU ab zehn Mitarbeitern.
Krucker beobachtet, dass die weichen Faktoren auch im Handwerk an Bedeutung gewinnen. Der Experte spricht vom Schneeballeffekt. «Eine Firma, die neuen Schwung durch einen geschulten Mitarbeiter erhalten hat, schickte uns direkt zwei weitere.» So ist die Chance grösser, dass das erworbene Wissen auch regelmässig angewandt wird.



