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Feng-Shui: Der Raum als Spiegel der Seele

Die Höhere Fachschule Bürgenstock veranstaltet das viertägige Seminar «Feng Shui und Raumgestaltung». Die teilnehmenden Fachleute erhoffen sich neue Impulse von der alten Weisheitslehre. Ihre Untersuchungsobjekte sind die eigenen Wohnräume.

Die Schreinerzeitung, Nummer 14, 8. April 2010

Innere Blockaden kennt wahrscheinlich jeder. Aber die wenigsten würden die Ursachen dafür in ihren Wohn- und Arbeitsräumen vermuten. Ein Schreiner musste das am eigenen Leib erfahren. «Seine selbst gebauten, spitzwinkeligen Tische im Büro spalteten den Energiefluss, das Qi», erzählt Christine Hüsler, Leiterin des Seminars «Feng Shui und Raumgestaltung» aus ihrer Berufspraxis. Die so entstandene schädliche Energie sei mitverantwortlich für den Burnout des Fachmanns gewesen. Inzwischen regeneriert, überlege er sich sogar, eine Feng-Shui-Ausbildung zu machen. Dagegen gehen die neun Teilnehmer des viertägigen Grundlagenseminars eher neugierig an die chinesische Weisheit heran - mit unterschiedlichen Motiven.

Feng Shui

Schreinerarbeit mal anders: Für Feng Shui drücken die Handwerker zur Abwechslung gern wieder die Schulbank.

Spielerisch ans Werk

Nicole, einzige Schreinerin in der Gruppe, sieht Feng Shui als Chance, den väterlichen Betrieb zu profilieren und ihn so wettbewerbsfähig zu halten. «In der nächsten Umgebung unserer Werkstatt gibt es sieben Schreinereien.» Tanja, Studentin der Innenarchitektur, möchte ihr Verständnis für Raumgestaltung erweitern. «Mein Mann und ich sind mit unserer Schreinerei auf Küchen- sowie Innenausbau spezialisiert und sehen die Innenarchitektur als drittes Standbein.» Und Christof, ebenfalls mit eigenem Betrieb im Innenausbau tätig, meint, seine Kundschaft interessiere sich vermehrt für das Thema. Sie wollten keine Feng-Shui-Berater werden, sind sich die vier Frauen, mehrheitlich Innenarchitektinnen, und die fünf Männer, hauptsächlich Schreiner, einig. Sie möchten einfach ihren gestalterischen Horizont erweitern. Davor gibt es zuerst eine Einführung in die Lehre. «Im Feng Shui dreht sich alles um den Energiefluss Qi mit seinen fünf Elementen Feuer, Wasser, Holz, Metall, Erde», so Seminarleiterin Hüsler. «Sie regeln die Jahreszeiten und bilden einen Kreislauf des Werdens und Vergehens.» So nähre Holz das Feuer, Feuer werde über die Asche zu Erde, diese nähre wiederum das Metall, als Erze im Berg. «Und dort entspringen die Wasser, die ihrerseits wieder das junge Holz der Bäume hervorbringen.» Diesen Elementen sind Farben, Formen und Materialien zugeordnet. «Wenn all die Elemente in ihren Aspekten ausgeglichen sind, dann kann die Energie frei fliessen», sagt Dominik Hüsler, der zweite Seminarleiter.

Wie das Qi fliesst

Der Energiefluss betrifft beispielsweise Landschaften, Gebäude wie auch Räume. Kirchen seien manchmal an energetischen Zentren, sogenannten Kraftorten gebaut worden, so Dominik Hüsler. «Die Feng-Shui-Praxis zeigt, dass jeder Raum alle fünf Elemente benötigt.» Er projiziert mit dem Videobeamer das Foto eines steril wirkenden Wohnzimmers auf die Leinwand. Es hat weisse Einbauregale, weisse Wände und ein steiles Glasdach. Die tragenden Stahlstützen verstärkten noch die Aufwärtsbewegung des Qi, das generell über Fenster und Türen entweiche, meint der Seminarleiter. Nach den Veränderungen durch die beiden Experten des Instituts für angewandtes Feng Shui (IAF) in Luzern, präsentiert sich ein neues Bild. Ein gelbes Textilpaneel entlang der oberen Wandkante und ein roter Stuhl schaffen eine wohnliche Atmosphäre. Die Farbe Gelb gehört zum Erdelement, die Farbe rot zum Feuerelement. Sie funktionieren als Gegengewichte zum Metallelement und lenken den Energiefluss wieder in die richtige Bahn. «Wenn wir uns in einem Raum wohl fühlen, heisst das, die Energie kann frei fliessen», sagt die Seminarleiterin. Umgekehrt könnte gestörtes Qi seelische Blockaden verursachen.

Harmonie schaffen

Soviel zur Theorie, nun dürfen die Teilnehmer selbst ran: mit Stift, Geodreieck, Lineal und dem Grundriss der eigenen Wohnräume. Sie errechnen jeweils deren Mittelpunkt und tragen ihn ein. Jetzt kommt das Ba Gua zum Einsatz, eine Scheibe mit acht Kuchenstücken, die den Lebensthemen entsprechen. Das Ba Gua wird direkt auf den Haus- oder Wohnungsplan gelegt. Dann lesen die Teilnehmer daran ab, in welchen Wohnbereichen welche Lebensthemen und auch Energieelemente vorherrschen. Nicole erkennt, dass ihr Zimmer im Westen der elterlichen Wohnung liegt. Es wird von Metallenergie bestimmt und steht unter anderem für die Fähigkeit, Projekte umzusetzen. Aber zu viel Metallenergie kann nun den Energiefluss stören. Falls sich Nicole also unwohl fühle, läge es vielleicht an fehlender Feuerenergie im Raum, so die Seminarleiterin. Die könnte zum Beispiel in Form eines roten Vorhangschals platziert werden. Falls das nichts hilft, lohnt es sich in ihrem Fall, auch die elterliche Wohnung daraufhin zu überprüfen, ob die notwendigen Elemente vorhanden und richtig platziert sind. «Es geht nicht darum, seine Räumlichkeiten strikt nach Feng Shui umzukrempeln. Es sollte angewendet werden, wenn das Bauchgefühl es verlangt.»
Weitere Beispiele dieser Art gibt es in den drei folgenden, gestaffelten Seminartagen. Sie wollen einen fundierten Einstieg in die Formen- und Farbschule des Feng Shui bieten. Begleitend schreitet die persönliche Analyse der eigenen Wohnräume voran. «Was man selbst erfährt, kann man am besten vermitteln», so der Seminarleiter über das Prinzip. Zum Abschluss soll ein Firmengebäude so eingerichtet werden, dass jeder Arbeitsplatz die geeignete Energie hat.

Belächelt und gesucht

Die landläufigen Kritiken, Feng Shui sei esoterisch und nicht nachweisbar, beirren die Fachleute nicht. «Die Bauern früherer Generationen setzten bereits erfolgreich auf Mondholz, ohne dass sie seine Wirkung hätten wissenschaftlich nachweisen können», sagt Samuel, selbständiger Schreiner mit zwölf Mitarbeitern. Nur leider sei viel von dem alten Wissen vergessen oder verloren gegangen. Er erkennt darin auch Parallelen zum Feng Shui. «Die alte Weisheit will ich mir erwerben, denn für den Innenausbau ist Gestaltungsvermögen unerlässlich.» Er verkaufe das nicht als Feng Shui. Manchen konservativen Kunden schrecke das vielleicht ab.

Seit mehr als acht Jahren finden Feng-Shui-Vorträge an der HF Bürgenstock statt. «Das ist keine Modeerscheinung mehr, sondern hat sich längst im Bereich Innenarchitektur etabliert», so die beiden Seminarleiter. Was einst von Fachleuten als Unsinn abgetan oder belächelt wurde, gelte vielen inzwischen als ein Planungsinstrument. Dabei müssen die verschiedenen Ausrichtungen der chinesischen Lehre berücksichtigt werden. Die einen sind stärker an der Philosophie orientiert, andere stärker an der Esoterik. Die unterschiedlichen Gruppierungen formieren sich derzeit, um einen Berufsverband in der Schweiz zu gründen. In Deutschland und Österreich gibt es ihn bereits.

Chinesische Weisheit

Feng Shui ist Teil der 3000 Jahre alten daoistischen Philosophie. Es handelt davon, sich die Geister von Wind und Wasser geneigt zu machen. Dabei helfen Yin (Mond) und Yang (Sonne), die beiden gegensätzlichen Grundprinzipien der chinesischen Schöpfungslehre. Wenn sie beispielsweise in einem Raum ausgeglichen sind, dann kann das Qi (Lebensenergie) in einer Art Kreislauf fliessen. Dieser wird von den fünf Elementen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser bestimmt. Sie regeln die Jahreszeiten, stehen für das Werden und Vergehen. Die Elemente stehen in einer Wechselwirkung zueinander.

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