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Techniker HF: Aufwärts dank Leistung und Wissen

Premiere im Bildungswesen – im Frühsommer 2011 schlossen die ersten Schreinertechniker HF im Modulsystem ihr Studium ab. Die Ausbildung ist auf Berufsleute mit Einsatzbereitschaft und Managerqualitäten zugeschnitten.

Die Schreinerzeitung, Nummer 17, 28. April 2011

Richtig heisst der Berufstitel «Dipl. Techniker HF Holztechnik, Schreinerei». Die Technik spielt bei dieser neuen Ausbildung für Kader der Schreinerbranche naturgemäss eine Rolle. Doch stehen mehrheitlich die heute dringend benötigten übergreifenden Managementkompetenzen im Fokus. Planen, Organisieren, Koordinieren und mithilfe vieler ein gelungenes Werk verwirklichen: Das macht – das ist – der Schreinertechniker HF. Doch die Aufgaben gehen noch weiter: Er vertritt, unterstützt und berät den Betriebsinhaber in allen Führungsfragen rund um Projektleitung und technische Koordination mit Bauherren und Architekten.

Techniker HF

Regional vorbereiten – zentral abschliessen

Die Technikerausbildung HF ist in das Modulsystem des Verbandes Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) integriert. Sie kann direkt durchlaufen werden, wenn von der Höheren Fachschule Südostschweiz (ibW) in Chur oder der Höheren Fachschule Bürgenstock ein positiver Aufnahmeentscheid vorliegt. Alternativ werden vorgängig belegte sowie erfolgreich abgeschlossene Module und Ausbildungen vollwertig angerechnet. Die Ausbildung zum Techniker HF gliedert sich in zwei Phasen: Die erste Phase entspricht jener zum Sachbearbeiter Planung VSSM, der auf dem Weg zum Techniker HF als «Techniker Stufe A» definiert ist.

Die Ausbildung zum Sachbearbeiter Planung VSSM wird an mehreren weiteren Lernorten regional angeboten (Lyss, Willisau/ Rothenburg, Winterthur, Weinfelden, St. Gallen, Gordola). Wer weiterstudiert, vollendet entweder in Chur oder auf dem Bürgenstock mit dem «Techniker Stufe B» die Ausbildung zum Dipl. Techniker HF Holztechnik, Schreinerei. Und dann geht es in eine spannende Praxistätigkeit, wie die drei Kurzporträts von Jonas Vogler, Sandro Graber und Marcel Thür aus dem ersten Jahrgang der Technikerausbildung an der Höheren Fachschule Bürgenstock belegen.

Werkmeister mit eidg. Fachausweis oder eidg. dipl. Schreinermeister?

Die Spezialisierung geht voran, auch bei den Anforderungen an die Kader. Beim Techniker steht die Projektleitungskompetenz als Bindeglied zwischen Betrieb und Baustelle im Vordergrund. Der Werkmeister leitet gesamtverantwortlich die Produktion und der Schreinermeister führt den Betrieb mit Schwerpunkt Finanzen, Personal, Marketing und langfristige Strategien. Wo diese drei Spezialisten gut zusammenarbeiten, ist der Betrieb punkto Führungs- und Fachkompetenz bestens gerüstet. Der Techniker HF hat also gute Karten für eine verantwortungsvolle Position ganz oben. Bereits sind die nächsten Durchführungen bekannt. Stufe A «Sachbearbeiter Planung VSSM»: HF Bürgenstock (Start: 30. November 2011), HF IBW Chur (Start: Februar 2012). Stufe B ab «Sachbearbeiter Planung VSSM»: HF Bürgenstock (Start: 15. September 2011), HF IBW Chur (Start: März 2012).

Jonas Vogler: «Ich bekomme mehr Marktwert»

Jonas VoglerBauschreinerlehre, parallel die Berufsmatura, und jetzt auf der Zielgeraden zum Techniker HF – Jonas Vogler hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um seinen beruflichen Rucksack zu füllen. Ihm war schon bald klar geworden, dass er aus dem Schreinerhandwerk mehr herausholen wollte als nur das Werken mit Holz. Ein Vorstoss in Richtung Innenarchitektur verlief nicht plangemäss, dafür ergab sich bei der Schifffahrtsgesellschaft Luzern ein ganz neues Feld, nämlich fünf Jahre im Fahrdienst und als Schiffsführer auf dem Vierwaldstättersee und im Winter in der Holzwerkstatt: «Ich arbeite in der Schreinerei der Shiptec bei Neubauten und Renovierungen von Motor- und Dampfschiffen mit.»

Heute hat Jonas Vogler die Position als Leiter der Abteilung Schreinerei der Shiptec Luzern fest in Aussicht. Er bereitet sich mit der Ausbildung zum Techniker HF auf die verantwortungsvolle Aufgabe vor. «Diese Ausbildung ermöglicht mir den Karrieresprung.» Auf Nachfrage umreisst Jonas Vogler seine Motivation zum Techniker HF mit der breiten und tiefen Ausbildung, vor allem aber mit der Projektkompetenz: der Fähigkeit, verschiedene Sektoren, Berufsfelder und Fachbereiche samt den darin arbeitenden Menschen zu einem erfolgreichen Ganzen zusammenzuführen. «Ich möchte mit dem erweiterten Fokus eines Generalunternehmers arbeiten können, ob auf dem Bau oder auf Schiffen. Führung und Koordination faszinieren mich, die Technikerausbildung HF ist der ideale Weg dazu. Zudem erhöhe ich meinen Marktwert!» Jonas Vogler hat vom Modulsystem profitiert: Dank der Berufsmatura hatte er bei Antritt der Technikerausbildung die Module Lerntechnik, Allgemeinbildung und Mathematik bereits in der Tasche.

Sandro Graber: «Der Praxisbezug ist verblüffend»

Sandro GraberSprachen, Sprachen, Sprachen: Der gelernte Möbelschreiner ging nach der Lehre nach Paris, um sich das Französische anzueignen, in Neuseeland lernte er Englisch und in Brasilien Portugiesisch. Sprachkompetenz als sicherer Wert in einer globalisierten Welt. Zwischen diesen Aufenthalten lagen immer wieder Anstellungen als Schreiner und Monteur. Vielseitigkeit, Interesse und Einsatzbereitschaft machten sich bezahlt: «Ich bin seit zwei Jahren bei meinem Arbeitgeber als Projektleiter tätig.» Mit der Schulung zum Sachbearbeiter VSSM (Techniker Stufe A) sichert Sandro Graber diese Position nun auch fachlich ab: «Ich kann in unserem Betrieb selbständig arbeiten und habe auch meine eigenen Projekte, die ich betreue. Falls ich bei diesen Projekten auf Hilfe angewiesen bin, gibt mir die Firma die nötigen Mittel. Mit Abschluss der Ausbildung habe ich viele Kompetenzen beisammen, die den Grundstein bilden für meine weitere Zukunft.» Er betreut heute schon Projekte wie Hotelumbauten oder Innenausbauten. Dennoch will Sandro Graber seine Sache ganz durchziehen und auch die Ausbildung zum Techniker HF (Stufe B) absolvieren. «Ich suche die Verantwortung und entwickle die Dinge gerne an der Front mit.» Die Sachbearbeiterausbildung charakterisiert Graber vor allem mit einer ihn überraschenden Vielfalt und Abwechslung. «Das Beste ist der Praxisbezug – beim Lernstoff und bei den Referenten. Ich kann die Inhalte, die ich kennengelernt habe, direkt im Betrieb anwenden. So ist es für mich einfacher, die Themen zu verarbeiten.»

Marcel Thür: «Projektleitungskompetenz im Fokus»

Marcel ThürZuerst Möbelschreiner – ein klassischer Einstieg mit Weiterbeschäftigung im Lehrbetrieb. Hier ging es dann schon los mit der Weiterbildung zum Sachbearbeiter Planung VSSM in Chur. Die Vollanstellung als richtiger Avor konnte Marcel Thür dank eines Betriebswechsels verwirklichen. Doch nicht genug, der Drang zu mehr Wissen, Kompetenz und beruflichen Gestaltungsmöglichkeiten liess ihn weiterklettern auf der Qualifikationsleiter: «Der dipl. Techniker HF ist für mich das nächste Ziel. Kompetenzen und Verantwortung zur Projektleitung faszinieren mich.» Marcel Thür möchte Gesamtabläufe managen, vorab im Betrieb, aber auch in der Vernetzung mit der Baustelle. «Ich freue mich auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit mit Bauherren und Architekten – auf gleicher Augenhöhe oder sogar mit einem Kompetenzvorsprung!»

Für Marcel Thür kommen mit dem Abschluss der Technikerausbildung drei Möglichkeiten infrage: Eine Kaderfunktion im Innenausbau (Projektleiter), die Selbständigkeit (Betriebsübernahme) oder auch ein Sprung aus der Holzbranche in ein anderes Berufsfeld ist für ihn denkbar. Denn: «Die Projektleiterkompetenz macht es möglich!» Zur Technikerausbildung meint Marcel Thür: «Wir bekommen von Profis aus der Praxis eine enorm breite Ausbildung vermittelt, mit der man zuversichtlich ins Berufsleben einsteigen und sich dann spezialisieren kann. Ich würde es jederzeit wieder machen!»

 

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