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Businessplan: Gegenwart und Zukunft transparent gemacht

Es gibt viele Gründe, einen Businessplan für den eigenen Betrieb zu erstellen. Dieser zeigt nicht nur auf, wo das Unternehmen derzeit steht, sondern auch, wohin sein Weg führen soll. Diese Auseinandersetzung beinhaltet strategische, finanzielle, personelle und auch marketingtechnische Überlegungen.

Schweizer Holzzeitung, Nummer 1/2, 13. Januar 2011

Die geplante Anschaffung einer neuen CNC-Maschine war für die Kehrli Schreinerei AG in Meiringen der Anstoss, einen Businessplan für den Betrieb zu erstellen. «Wir wollten wissen, wo unser Betrieb steht, wo seine Stärken und Schwächen liegen und wie wir uns künftig entwickeln sollten», berichtet Stefan Kehrli, stellvertretender Geschäftsführer. An der Höheren Fachschule Bürgenstock absolvierte er einen Kurs, um – begleitet durch einen Dozenten – einen eigenen Businessplan zu erstellen. Gleichzeitig ermöglichte der Kurs den Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen aus seiner Branche. «Das war für unsere Firma sehr lehrreich, lernten wir sie dadurch doch besser kennen.

Zudem zeigte die Arbeit auch gewisse Bereiche auf, wo wir uns verändern mussten.» In der Tat hat der Businessplan in der Schreinerei einiges verändert. Aus dem einstigen Betrieb für sämtliche Schreinereiarbeiten wurde ein Unternehmen, das sich auf die Produktion von Fenstern und Türen spezialisiert hat. «Früher fehlte uns dieser Fokus. Jetzt haben wir eine klare Positionierung auf dem Markt», freut sich Kehrli. Seit der Neuausrichtung hat sich das Auftragsvolumen in den letzten sieben Jahren verzehnfacht. Ausserdem sind fünf neue Mitarbeiter hinzugekommen. Der Businessplan, der zwar auf fünf Jahre ausgerichtet ist, wird jedes Jahr aktualisiert und angepasst.

Businessplan

Was soll ein Betrieb mit welchen Maschinen produzieren, auch darauf gibt ein Businessplan Antwort.

Drei bis fünf Jahre

Mit dem einmaligen Erstellen eines Businessplans ist es tatsächlich nicht getan, wie Bruno Krucker, Leiter der Höheren Fachschule Bürgenstock, betont: «Der Businessplan hat meist einen Weitblick von drei bis fünf Jahren. In dieser Zeit kann er relativ einfach aktualisiert werden. Leider stellen wir immer wieder fest, dass der Businessplan nach der Erstellung wohl beachtet, aber nicht regelmässig aktualisiert wird. Dabei böte sich hier die Möglichkeit, gewisse Themen wie zum Beispiel das Marketing gleichzeitig noch zu vertiefen. Insofern sollte die Arbeit am Businessplan ein stetiger Prozess sein», so Krucker. Der Erstaufwand für einen Businessplan bietet die Möglichkeit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch, sei es im Rahmen eines Kurses, mit den eigenen Mitarbeitenden oder im Gespräch mit dem Treuhänder.

Interne und externe Beweggründe

Der Grund, weshalb ein Betrieb überhaupt einen Businessplan erarbeitet, hat laut Daniel Furrer, Bereichsleiter Technik & Betriebswirtschaft beim Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM) und Dozent an der HF Bürgenstock, oft einen internen oder externen Grund: Wird der Businessplan aus internen Beweggründen erstellt, steht oft das Bedürfnis dahinter, sich strategisch mit der Zukunft des Unternehmens auseinanderzusetzen. Mögliche externe Gründe sind meist Kreditgeschäfte mit Banken, die einen Businessplan verlangen, oder dann geplante Kooperationen wie auch Zusammenschlüsse mit anderen Firmen; in diesen Fällen soll der Businessplan die Leistungsfähigkeit und das Potenzial des Betriebs aufzeigen. «Wird ein Betrieb mit der Nachfolgeplanung konfrontiert, braucht es ebenfalls häufig einen Businessplan, damit sich der Nachfolger ein Bild vom Unternehmen und seinen Zielen machen kann», ergänzt Furrer. Denn der Businessplan mache die Gegenwart und Zukunft eines Unternehmens transparent.

Chancen und Gefahren ausleuchten

Was gehört in einen Businessplan? In einem ersten Schritt wird die Ausgangslage des Unternehmens analysiert. Dabei soll der Businessplan die Stärken und Schwächen eines Betriebes eruieren sowie gleichzeitig die Chancen und Gefahren auf dem Markt ausleuchten. «Wir wollen erfahren, welche Bedürfnisse und Anforderungen von Kundenseite an den Betrieb gestellt werden – und welche Veränderungen in unserem Umfeld neue Chancen bieten», so Furrer. Aufgrund dieser Erkenntnisse werden dann die Ziele für das Unternehmen definiert. In welche Richtung will und soll sich das Unternehmen entwickeln? Wird ein Wachstum bzw. eine Expansion angestrebt? In einem nächsten Schritt gilt es, die nötige Strategie festzulegen, mit deren Hilfe die genannten Ziele zu erreichen sind. «Hier müssen sich die Unternehmer unter anderem Gedanken darüber machen, wie sie sich von ihren Mitbewerbern abheben respektive unterscheiden können», erklärt Furrer.

Umsetzung der Ziele

Anschliessend folgt die konkrete Umsetzung der Ziele und Strategien, aufgeteilt in Teilbereiche wie etwa Finanzen, Planerfolgsrechnung, Bilanz, Liquiditätsplanung, Controlling und so weiter. Hier dürfen aber auch die Organisation, das Personal und die Führung an sich nicht fehlen. Innerhalb des Betriebs müssen die Verantwortungen und Schlüsselpositionen anhand der gesetzten Ziele und erarbeiteten Strategien festgelegt werden. Und schliesslich rundet ein Marketingkonzept den Businessplan ab, um auf dieser Ebene die Vorgaben des Businessplans umzusetzen. Dieser unterscheidet sich laut Daniel Furrer vom Aufbau und der Struktur her kaum von dem anderer Branchen. In der Holzbaubranche ist es wichtig, dass im finanziellen Bereich bei der Zukunftsplanung mit realistischen Zahlen gearbeitet wird. So sind bei der Planerfolgsrechnung betriebswirtschaftlich korrekte Abschreibungen einzuplanen, um technologisch einen aktuellen Stand halten zu können», empfiehlt Furrer. «Grundsätzlich ist zu beachten, dass der Businessplan adressatengerecht erstellt wird. Das heisst: Ist der Businessplan an eine Bank gerichtet, sind Fach- und Fremdausdrücke mit Zurückhaltung zu verwenden. Unverzichtbar sind dagegen die für die Bank relevanten Angaben, dazu gehören insbesonder fundierte Finanzangaben zur Erfolgrechnung sowie zur Bilanz», führt Furrer weiter aus.

Verschiedene Wege zum Businessplan

Was in einen Businessplan gehört, findet man in den Vorgaben der Banken, in der Fachliteratur, bei Branchenverbänden oder im Internet. Viele Betriebe setzen bei der Erarbeitung eines Businessplans auf die fachliche Begleitung durch einen Treuhänder oder einen Berater seines Branchenverbandes. Dieser gibt wertvolle Hinweise und Impulse; ausserdem kann er meist Quervergleiche zu den Kennzahlen aus der Bilanz und Erfolgsrechnung ziehen. Wer den Businessplan im Rahmen eines Kurses erstellen will, profi tiert vom Austausch innerhalb der Klasse. Der VSSM beispielsweise führt solche Seminare durch. Nebst der Vermittlung von Fachwissen und der Erstellung des eigenen Businessplanes steht dem Teilnehmer ein individuelles Coaching durch den Referenten zur Verfügung. «Die Teilnehmenden erarbeiten ihren Businessplan von Grund auf, werden aber gleichzeitig vom Dozenten betreut. Hinzu kommen der Erfahrungsaustausch und die Diskussionen mit den anderen Teilnehmenden, die sehr wertvoll sind», berichtet Furrer.

Sehen, wo der Betrieb steht

Diese Erfahrungen kann Sascha Bandi von der Bandi Laden- & Inneneinrichtungen AG in Oberwil b. Büren nur bestätigen: «Einerseits fand ich den Austausch mit den anderen Teilnehmenden des Seminars interessant und wertvoll, andererseits habe ich sehr vom Kurs profi tiert, da wir gut betreut und von kompetenten Referenten unterrichtet wurden», erzählt er. Weil Bandi 2008 die Firma von seinem Vater übernommen hatte und das Gespräch mit der Bank suchte, wollte er mit Hilfe des Businessplanes eruieren, wie es um das Unternehmen mit seinen 40 Mitarbeitenden steht. «Ich kann jedem Betrieb, egal ob gross oder klein, empfehlen, sich mit einem Businessplan auseinanderzusetzen. Man erhält so einen umfassenden Überblick über die Situation des Betriebs», lautet sein Fazit.

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